„Plog, Plog, Hurra!“, das ist unser Schlachtruf an diesem Samstagvormittag. 20 Läufer sind unserem Aufruf zum gemeinsamen Plogging gefolgt. Wir verteilen große, orangefarbene Mülltüten und Handschuhe, die wir von den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben zur Verfügung gestellt bekommen haben. Dann geht’s in zwei Gruppen durch die Innenstadt. Die eine auf gemütlichen fünf Kilometern, die andere auf schnelleren zehn. So haben wir es vorher in unserer Facebook-Gruppe besprochen. Die meisten Plogger organisieren sich über soziale Medien – nicht nur in Deutschland –  auch in Großbritannien, Frankreich, Mexiko oder Indien bilden sich gerade Plogging Communities.

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Hochmotiviert laufen wir los, die noch leeren Müllsäcke flattern im Wind hinter uns her. Besonders weit kommen wir nicht. Kaum haben wir die erste Grünfläche erreicht, kommen wir aus dem Sammeln nicht mehr raus. Vor allem die Gebüsche sehe schlimm aus. Coffee-to-go-Becher, zerknüllte Zeitungen, kleine Schnapsfläschchen – es ist echt krass, wie viel Müll hier rum liegt – und es macht mich echt sauer.

Laufen, Bücken, Sammeln, Weiterlaufen

Mit gerümpfter Nase ziehe ich ziemlich viel undefinierbares, ekliges Plastikzeugs aus dem Gebüsch – das fällt mir trotz der Gummi-Handschuhe erstmal nicht ganz leicht. Wir könnten Stunden an dieser einen Stelle sammeln und trotzdem würden wir nicht alles sauber kriegen. Irgendwann laufen wir aber weiter, denn wir wollen ja auch was für unsere Fitness tun. Unser Rhythmus ab sofort: Zwei-, dreihundert Meter Joggen, den gröbsten Müll aufheben und weiter. Das ständige Bücken gehen und wieder aufrichten hat bestimmt einen zusätzlichen Trainingseffekt.

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Schön sind die Reaktionen von Passanten: „Ganz toll, was ihr da macht“, ruft uns ein anderer Jogger im Vorbeilaufen zu. Einige Spaziergänger helfen uns sogar, Müll aufzusammeln. Ein anderer Jogger schließt sich spontan unserer Gruppe an.

Reaktionen – positiv und negativ

Und ein älteres Ehepaar beobachtet uns zuerst irritiert und will dann wissen, ob wir das freiwillig machen. Wir erkären ihnen Plogging und sie sind total gerührt von unserer Aktion. Leider gibt es aber auch negative Reaktionen. Ein etwa zehnjähriger Junge wirft uns mitten in der Fußgängerzone grinsend seinen Müll vor die Füße. Als wir ihn darauf ansprechen, zeigt uns sein Vater den Mittelfinger.

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Uns ist natürlich klar, dass Plogging nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Die Welt retten werden wir damit nicht. Aber wir können Aufmerksamkeit erregen für einen anderen Umgang mit unserem Müll. Inzwischen sind sogar erste Medien auf uns zugekommen, um über Plogging zu berichten. Großartig, so kann die Plogging-Bewegung noch schneller wachsen. Und das ist nötig, finden wir beim Blick in die vollen Müllsäcke: Zigarettenstummel, Plastikverpackungen, Alkoholfläschchen, Zeitungen, Plastikbecher und absurde Sachen, wie Zahnbürsten, ein Strohhalm in Penisform (WTF????) und eine alte Tastatur.

Wir ploggen weiter

Am Ende werfen wir 20 volle Müllsäcke in den Wagen der Abfallwirtschaftsbetriebe – die Menge macht uns traurig, wir sind aber auch ein bisschen stolz, denn zumindest dieser Müll wird jetzt ordentlich entsorgt. Wir hätten aber noch viel mehr sammeln können. Deswegen wollen wir uns weiter gegelmäßig zum Ploggen treffen. Falls ihr dabei sein wollt, schaut doch mal bei Facebook unter „Plogging Cologne“ vorbei.

Plog Plog Hurra!

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