Bye Bye Grippewelle, mir reicht’s. Ich will, dass endlich wieder die Füße laufen und nicht mehr die Nase. Denn ich muss jetzt wirklich mal mit dem Training für den Megamarsch anfangen. Schließlich möchte ich meine Füße langsam und liebevoll auf den Höllentrip vorbereiten, der ihnen im September bevorsteht. Wie schön, dass das Wetter am Wochenende einen Vorgeschmack auf den Frühling gegeben hat. Und wie schön, dass es Menschen gibt, die für andere Menschen Wanderungen organisieren. Zum Beispiel auf dem Kölnpfad.

Wandern Megamarsch Training Megamarsch2018 Kölnpfad Ultrawandern

Irgendwann muss auch mal Schluss sein

Ich habe jetzt drei Monate hinter mir, gefüllt mit Plätzchen an Weihnachten, Käsespätzle im Skiurlaub und Kölsch an Karneval. Mehrere meiner Samstagmorgen sahen also so aus: Dicke, müde Augen öffnen. Nicht zu schnell aus dem Bett aufstehen. Rest von der kalten Pizza zum Frühstück essen. Gaaaanz vorsichtig duschen gehen. Tablette gegen Kopfschmerzen nehmen. Dann entweder wieder auf die Piste (im Skiurlaub) oder eine neue, warme Pizza bestellen und die Pappnase wieder ankleben (an Karneval). Aber damit ist es jetzt vorbei. Jaaaa, huuuuuu! Das klingt so groß – aber ich meine es ernst. Nicht nur, dass ich bis Ostern keinen Tropfen Alkohol trinke. Ich hab auch endlich meine Laufmotivation wiedergefunden. Und ich muss zugeben: Das ist schon schön, an so einem Samstagmorgen früh aufzuwachen. Du machst das Fenster auf und atmest tief die frische Luft ein, die durch das Fenster strömt. Bis auf ein paar zwitschernde Vögel schläft die Stadt noch vor sich hin. Und du packst ein paar Kleinigkeiten in deinen Wanderrucksack, schnürst deine Laufschuhe und machst dich auf den Weg. Klischeealarm. Aber ich finde das wirklich schön!

Ein Haufen positiv Verrückter

Ich mag mein sportliches gesundes Ich nämlich auch ganz gerne (keine Sorge: auch mit dem Party-Ich bin ich absolut im Reinen, es schläft nur manchmal zu wenig).  Jedenfalls bin ich ganz froh, dass ich nicht die einzige bin, die es toll findet, sich samstags um 7:00 Uhr aus dem Bett zu pellen, um sich dicke Blasen an den Füßen zu laufen. Mein Mann kommt mit, außerdem zwei liebe Freunde. Claudia ist leider nicht mit am Start – sie ist immer noch ausgeknockt von der verd*** Grippewelle. Mit den anderen treffe ich mich am Zielpunkt unserer geplanten Wanderung. Dort stellen wir unser Auto ab, um am Nachmittag schnell wieder nach Hause zu kommen. Es geht nichts über eine Sitzheizung, wenn du Muskelkater im Allerwertesten hast.

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Eine Bahnfahrt später treffen wir am Startpunkt die anderen Kölnpfad-Wanderer. Wir bezahlen unseren kleinen Unkostenbeitrag von fünf Euro für die Verpflegung unterwegs und im Ziel, dann geht’s an den Start. Heute wird die zweite von insgesamt vier Etappen des Kölnpfads gelaufen. Die Organisatoren von Kölnpfad Ultrawandern bieten diese gemeinsamen Wanderungen als Übung an – um die Strecke kennen zu lernen, genauso wie den Umgang mit den Markierungen. Und, um andere ähnlich Verrückte kennen zu lernen. Hier sind viele Ultrawanderer unterwegs – und solche, die es werden wollen. Auch auf dem Kölnpfad wird es eine 24-Stunden-100-Kilometer Wanderung geben, allerdings schon Ende Juni. Und bis dahin traue ich mir das noch nicht zu. Am gleichen Tag gibt es aber auch eine Dämmerungswanderung über 30 Kilometer. Das wird mein Härtetest. Denn ich hab keine Ahnung, ob ich mich im Dunkeln durch den Wald traue. Vielleicht werde ich auch beim kleinsten Rascheln panisch losrennen und über ein paar Wurzeln fliegen. Im Dunkeln kann ja selbst ein Kaninchen im Laub ziemlich gruselig sein.

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Rechenspiele

Heute gehts aber erstmal im Hellen über knapp 23 Kilometer. Wir schließen uns der etwas langsameren Gruppe an und wollen etwa 5 bis 6 Kilometer pro Stunde laufen. Dieses Tempo sollten wir beim Megamarsch auch mindestens halten – schließlich brauchen wir ja auch Zeit für Pausen. Diesmal sind wir auch schlauer als beim ersten Training, bei dem wir den Fehler gemacht hatten, uns zu verquatschen und dadurch zu langsam zu laufen. Heute werden die Füße trainiert, nicht die Sprechmuskeln. Mich treibt außerdem die Suche nach einer Toilette an. #Mädelsprobleme. Hin und wieder verschwinden Wanderer nach links und rechts zwischen den Bäumen oder kommen unvermittelt aus dem Dickicht gestapft, noch damit beschäftigt, das Shirt wieder in die Hose zu stecken. Das Dumme: So kurz nach Frühlingsanfang bieten die Büsche keinen wirklich guten Sichtschutz. Und so konfrontiert mich das Wandern mit den elementaren Sinnfragen des Lebens: Wie macht man als Mädchen ungestört Pipi, wenn weit und breit kein Gebüsch in Sicht ist?

Training für die Stabilität

Neben dem Training für eine geduldigere Blase, brauche ich offenbar auch Training für die Oberschenkel. Denn die melden sich langsam auch. Vor allem den Innenseiten muss ich im Training mal mehr Aufmerksamkeit schenken. Juchu. Ich freu mich schon auf jede Menge #legdays… NICHT! Worauf ich mich aber wirklich freue, ist der Verpflegungspunkt nach gut 12 Kilometern. Und der ist ein bisschen wie eine Oase in der Wüste.

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Ich bin ganz sprachlos. Zum Einen, weil ich es wirklich toll finde, was die Organisatoren für uns vobereitet haben. Wasser, Tee, Kaffee, Brühe, Säfte, Fassbrause und Radler. Dazu Bananen, Müsliriegel, Kekse, Äpfel, Käse, Salami, Gummibärchen, Schokolade und Muffins. Zum anderen bin ich sprachlos, weil ich den Mund voll habe. Gib mir Schokolade und ich esse Schokolade. Macht glücklich und gibt Energie. Ich snacke also ein bisschen, wärme mich mit einem Tee von innen auf und fülle meine Wasserflaschen nach. Dann gehts auch schon weiter auf die Strecke. Und ich lerne: Bei kurzen Pausen bloß nicht hinsetzen. Davon wird man bloß steif. Und wer weiß, ob ich den Hintern nach einer gemütlichen Pause überhaupt wieder hoch bekomme. Wie das wohl beim Megamarsch wird? Da werde ich in den Pausen doch auf jeden Fall mal sitzen müssen. Und wenn das dann plötzlich so richtig gemütlich ist… ob ich dann noch Lust habe, die 100 Kilometer anzugehen?

Wenn Fußsohlen und Blasen um die Wette brennen

Erstmal reichen mir auch 23 Kilometer. Das teilt mir mein Körper absolut liebevoll mit. Die brennenden Fußsohlen sind fast schlimmer, als die brennenden Blasen (wozu hab ich die Schuhe eigentlich kilometerweit eingelaufen?). Ganz komisch finde ich, dass meine Hände beide etwas aufgequollen sind. Ich meine, so rein körperlich betrachtet sind die doch gewohnt, links und rechts runterzuhängen. Davon können sie ja nicht anschwellen. Was ist da los? Kennt ihr das vom Wandern? Ich laufe die nächsten Meter mit den Armen über dem Kopf. Was der Rest der Gruppe von mir denkt – egal. Ich will diese beiden Luftballons am Ende meiner Unterarme wieder loswerden. Falls ihr bessere Tipps habt, lasst doch gerne einen Kommentar da.

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Wohlverdiente Wanne

Bis zum Megamarsch ist zum Glück noch etwas Zeit und ich weiß, dass da noch viel Training ansteht. Aber ich hab jetzt schon so richtig Bock drauf. Und als Motivationsprofi nach 52 verschiedenen Sportarten letztes Jahr weiß ich: Mein Kopf kann das. Schauen wir mal, ob der Körper es auch kann. Fürs Erste bin ich im Ziel ziemlich platt aber glücklich. 4:26 Stunden für 23 Kilometer. Dazu 1.300 verbrannte Kalorien. (Warum zeigt die Uhr von meinem Mann eigentlich 3.000 an? Verrechnet meine Uhr etwa auf geheimnisvolle Weise automatisch, dass ich am VP zwei Schokoriegel gegessen habe?) Zu Hause falle ich zufrieden aufs Sofa und begutachte kurz meine Blasen  (sehen nicht schön aus, aber ich erspare euch die Details.) Dann lasse mir eine Badewanne ein. Und während das Wasser so vor sich hin blubbert, melde ich mich für die 30 Kilometer Dämmerungswanderung an. Falls ihr mich dabei begleiten wollt, wenn ich im Dunklen über Wurzeln stolpere: Ich kann euch die Wanderungen auf dem Kölnpfad und das nette Team, das dahinter steht, wirklich sehr ans Herz legen.