Der Wecker klingelt – ich bin allerdings schon wach vor lauter Vorfreude. Und das will was heißen an einem Sonntagmorgen, der durch die Stunde Zeitumstellung noch früher geworden ist, als ohnehin schon. Um viertel nach acht sitzen wir mit gepackten Rucksäcken im Auto auf dem Weg zum Venloop. Eine Stunde Fahrt bis über die niederländische Grenze haben wir vor uns. Lohnt sich das für einen 5 Kilometer Lauf? Ja, ja und nochmal Ja! Vor allem, weil es für uns eine der ersten richtigen Laufveranstaltungen überhaupt ist. Dass wir hin fahren ist eher ein Zufall, den ich Instagram zu verdanken habe. Gefühlt jeder aus meine Feed war am Wochenende in Venlo. Und im Vorfeld sagten alle: Fahr da unbedingt hin, so eine Stimmung erlebts du sonst nirgendwo. Also haben wir nachgemeldet und auf den Weg gemacht.

Vom Shuttle bis zum Ziel eine einzige Party

Wir parken unser Auto auf dem großen Pendler-Parkplatz am Stadtrand von Venlo und klettern ins Shuttle. Und von dort an wird der Tag eine einzige Laufparty. Im Bus läuft laute Musik, eine Lichtanlage flackert, alle an Bord amüsieren sich. Es geht durch die Stadt, zum Teil schon entlang der Laufstrecken. Die Häuser und Straßen sind dekoriert mit Venloop Fahnen und Lufballons in den Farben der niederländischen Flagge und dem typischen Oranje. Das ist das erste Mal heute, dass ich fast ein paar Tränchen in den Augen habe. Ich freue mich so darauf, hier gleich durch zu laufen. Viel Zeit zum emotional sein habe ich aber nicht. Wir sammeln unsere Startnummern ein, geben unsere Taschen ab und dann geht es mit den anderen Läufern zum Startbereich. im Getümmel dehnen wir uns noch ein bisschen und genießen die Sonne, die sich durch die Wolken gearbeitet hat. Dann fällt der Startschuss und es geht los.

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Gute Stimmung – gutes Tempo

Von Anfang an laufen wir ein Tempo, das ich aus dem Training so von mir gar nicht kenne. Aber die Stimmung reißt mich total mit und ich werde von meinem Mann und der Menge mitgerissen. Es ist wirklich der Wahnsinn, was entlang der Strecke von Anfang an los ist. Nicht nur, dass insgesamt sehr viele Zuschauer da sind. Jeder, der eine Musikbox hat, hat sie vor seinem Haus aufgestellt. Ständig hält dir jemand die Hand zum High Five hin, Kinder bringen Wasserbecher aus den Küchen ihrer Häuser und die Zuschauer am Rand jubeln und rufen die Namen, die auf den Startnummern stehen. Ich hab ein bisschen Gänsehaut. Der Venloop ist wirklich so schön, wie alle sagen und ich bin dieses Jahr ein Teil davon. Durch die ganzen Eindrücke vergehen die ersten zwei Kilometer wie im Flug und ich checke ungläubig meine Uhr. Eine Pace von gut 7 Minuten und auch der Puls ist im grünen Bereich. Der Venloop scheint mir Flügel zu verleihen. Und nicht nur das: Anstatt mich mit rotem Kopf keuchend über die Strecke zu schleppen, laufe ich locker und mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Ganz Venlo ist zum Anfeuern gekommen

Je näher wir dem Ziel kommen, desto voller wird es am Rand der Strecke. Überall ist Musik, Jubel, die Menschen sitzen auf Vordächern, sind auf Fenstersimse geklettert und feuern uns begeistert an. Ich hätte nie gedacht, wie viel Spaß es machen kann, zu laufen. Völlig egal, wie schnell oder langsam ich bin – ich werde genauso gefeiert und angefeuert, wie die Läufer, die schon längst im Ziel sind. Fast bin ich ein bisschen traurig, als ich den Zieleinlauf sehe, am Liebsten würde ich noch ein bisschen weiter laufen. Die letzten 200 Meter bis zum Ziel erlebe ich wie in Trance. Links und rechts von der Strecke stehen die Menschen in mehreren Reihen hintereinander und schwenken Fähnchen, sie jubeln und feiern uns. Ich sammle meine letzten Kraftreserven und sprinte durchs Ziel, falle meinem Mann um den Hals und dann bekomme ich sie: Meine erste richtige Lauf-Medaille. Venloop 2018 – 5 Kilometer. Erschöpft und glücklich versorgen wir uns im Zielbereich mit Getränken und Bananen. Überall glückliche Gesichter, begeisterte Menschen, die feiern, als wären wir gerade einen Marathon gelaufen.

Der Traum vom Halbmarathon

Der Venloop ist wirklich ein ganz besonderer Lauf mit einer Wahnsinns-Stimmung. Für mich gab es eine Bestzeit von 35:45 netto, die ich noch gar nicht richtig fassen kann. Und in meinem Kopf, Herz und Bauch entsteht ein Wunsch: Hier will ich nächstes Jahr Halbmarathon laufen. Ein Ziel, das mir nach diesem Lauf gar nicht mehr so abwegig erscheint. Seid ihr auch schon mal beim Venloop gestartet? Oder kennt ihr änliche Läufe, bei denen so eine unfassbar gute Stimmung ist? Dann schreibt mir doch in die Kommentare!

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