Ich habe wirklich lange rum gesucht, denn ich hätte es gerne so richtig oldschool gehabt. So wie damals, als wir noch klein und von Natur aus sportlich waren… Beim Turnverein-Sommer-Grillfest sind wir immer durch dieses Waldstück gelaufen. Und alle paar hundert Meter standen Hindernisse aus Holz. Zum drüberklettern, hangeln, balancieren oder springen. Ich hab das so geliebt! Heute heißt sowas „Obstacle Run“, wird extra irgendwo aufgebaut und dann darf man für viel Geld starten. Früher stand sowas einfach im Wald rum, hieß „Trimm-Dich-Pfad“ und ist für mich verbunden mit Erinnerungen an adidas Sportanzüge, dem Geruch nach Magnesia-Blöcken und dem Neonlicht in der Schulturnhalle.

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An meiner Balance muss ich echt arbeiten

Trimm-Dich-Pfad Revival

Ganz nostalgisch mache ich mich im Netz also auf die Suche – aber: Fehlanzeige. Heute gibt’s nur noch „Fitness Parcours“ oder „Trimm Dich Parks“. Eine Art Fitnessstudio im Freien. Von den alten Trimm-Dich-Pfaden gibt es höchstens noch ein paar verrottete Überreste im Wald. Ok, dann bin ich halt modern und begebe mich auf einen „Parcours“ statt auf einen „Pfad“. Man muss ja flexibel sein. Eine gute halbe Stunde Radfahren stehen mir bevor, noch nicht unbedingt meine Königsdisziplin. Vor allem bei dem Nieselregen. Das Wetter ist richtig usselig. (Für Nicht-Rheinländer: grau, kalt und nass). Aber, jaaa jaaa, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Schönes Wetter kann ja jeder.

Laufen plus x

Da der Trimm-Dich-Pfad keiner mehr ist und ich auf jeden Fall auch laufen will, mache ich das eben als Aufwärm-Programm. Vier Kilometer in gemütlichem Tempo, danach ist mein Kopf frei und ich bin aufgewärmt für mein Trimm-Dich-Pfad Revival. Als erstes balanciere ich motiviert über einen Holzbalken auf wackligen Federn. Mein Gleichgewicht habe ich heute morgen offenbar zu Hause irgendwo verlegt. Umso besser für die Mukulatur rund um meine Knie, die hat ordentlich zu tun und muss sowieso dringend stärker werden. Genauso wie mein Rücken und meine Arme. Ich plane mir also ein kleines Zirkeltraining (auch so ein schönes Oldschool-Wort) mit Rückenstrecker, Ruderzug, Klimmzug-Vorübungen und Kniebeugen.

An jeder Station wird die Übung erklärt
An jeder Station wird die Übung erklärt
Ohne stabilen Rücken keine stabile Laufhaltung
Ohne stabilen Rücken keine stabile Laufhaltung
Auf dem Weg zum richtigen Klimmzug...
Auf dem Weg zum richtigen Klimmzug...
...klappt aber erstmal nur mit ran springen
...klappt aber erstmal nur mit ran springen

Hauptsache draußen trainieren

15 Wiederholungen mache ich an jedem Gerät, drei Runden halte ich durch. Ein schönes Frischluft-Workout, das mich ordentlich ins Schwitzen bringt. Warum nochmal bin ich Mitglied im Fitnesstudio? Hier guckt auch keiner doof, wenn ich mich mal wieder selfietechnisch zum Affen mache. Also bis auf die beiden Herren im Rentenalter, die sich den Parcours an diesem Morgen mit mir teilen. Einer meiner beiden unbekannten Trainingspartner steckt mich locker in die Tasche. Klimmzüge, Liegestütz und Kniebeugen absolviert er in atemberaubenden Tempo mit einer beeindruckenden Zahl von Wiederholungen. Vermutlich hat er das schon früher auf dem Trimm-Dich-Pfad geübt und vermisst auch den alten Weg quer durch den Wald.

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Kreuzheben für einen stabilen Rumpf beim Laufen

Gute Ergänzung zum Lauftraining

Auch wenn ich das alte Konzept des Trimm-Dich-Pfads als Strecke mit Hindernissen besser fand, ist der Parcours auch eine gute Ergänzung zum Lauftraining. Ich kann sowohl meine Rumpfstabilität, als auch meine Beinmuskulatur effektiv trainieren. Das nächste Mal schleppe ich meine Freundin und Fitnesstrainerin Miram mit – und lasse mir ein schönes Läufer-Workout zusammenbauen. Und teile es dann natürlich mit euch! Habt ihr auch solche Parks in eurer Nähe? Und vor allem: Nutzt ihr sie?